Archiv für Januar 2012

Kritische Anmerkungen zu einer gelungenen Antifa-Demo

Wie man verschiedenen regionalen Internetportalen sowie den Regionalzeitungen entnehmen konnte, kam es in der Nacht vom 22. auf den 23.01. in der rostocker KTV zu einem Buttersäureanschlag auf die Häuser des Awiro e.V..1 In der Vergangenheit wurde das Projekt bereits mehrfach zum Objekt rechter Angriffe, so auch im vergangenen Jahr, als ein Briefkasten des Hauses „gesprengt“ wurde, ohne dass es darauf größere öffentlichkeitswirksame Reaktionen gegeben hätte. Ganz anders dieses mal. Gestern, zwei Tage nach dem Anschlag, fand in Rostock eine Solidaritätsdemonstration statt, an der trotz der kurzen Mobilisierungszeit nach Angaben der Veranstalter_innen etwa 400 Menschen teilnahmen.

Im Allgemeinen kann als positiv hervorgehoben werden, dass es selbst in einem sonst so flauen Brachland wie MV möglich ist, innerhalb so kurzer Zeit eine so große Szenesolidarität abzurufen. Denn 400 Leute bei Minusgraden auf die Straße zu bekommen, ist für MV keine Selbstverständlichkeit, auch wenn das gestern in Rostock vielleicht anders ausgesehen haben mag. Ebenfalls durchaus positiv war, dass sich einige teilweise sonst sehr martialisch und dominant-männlich gebärdende Antifas2 einigermaßen zurückhielten und sich um einen eher vermittelbaren Habitus bemühten. Dass es natürlich trotzdem eine habituell männlich geprägte „Autonome-Antifa-Demo-Spitze“ gab, ist wohl überflüssig zu erwähnen.

Was blieb war jedoch ein Zeichen, dass Opfer neonazistischer Gewalt nicht alleine darstehen.

Leider wurde dieses Zeichen jedoch bereits mit dem Aufruf im Voraus einigermaßen relativiert. (mehr…)

Hallo Provinz

Dein Zustand ist kritisch. Deshalb musst du kritisiert werden, in der Hoffnung, dass aus dir vielleicht doch noch eine kritische Provinz wird.

Dies ist der letzte Versuch einen kritischen Einfluss auf die sog. „linke“ Szene in Rostock (und ggf. auch Umgebung) zu nehmen. Rostocks „Linke“ möchte seine ruhe, möchte sein Süppchen so kochen, wie es rostocker_innen Linken gut schmeckt. Dass es jedoch nicht allen schmeckt interessiert keine_n der Köche_Köchinnen.

Daher scheint es mehr als notwendig und an der Zeit endlich einen Diskurs zu führen. Sollte auch dieser nicht geführt werden wollen oder totgeschwiegen werden, soll dies wenigstens ein Manifest der Solidarität mit all denen sein, die seit Jahren gegen Windmühlen kämpfen oder bereits resigniert haben. Sollte dieser Versuch allerdings (zugegebener Maßen wider Erwarten) nicht nur ein letzter ohnmächtiger Verzweiflungsakt sein, sondern etwas positives bewirken können – wobei bereits jede kritische Stimme, die sich hiervon angesprochen und bestätigt fühlt als Erfolg zu werten wäre –, dann kann das Ziel nur darin bestehen ein Bewusstsein von dem zu vermitteln, was ein kritischer Geist und was eine radikale Kritik des Bestehenden sein könnte, den Finger an der Stelle in noch zu öffnende Wunden zu legen, an welchen die sog. „radikale Linke“ praktisch wie theoretisch im bestehenden verharrt oder mit anderen Worten gesprochen: nicht fähig ist, ihre eigene Rolle und ihr Handeln kritisch zu reflektieren, neu zu bewerten und immer auch bereit zu sein, sich neu auszurichten.

Wir wissen, dass es da draußen in Rostock und Mecklenburg-Vorpommern wenigstens noch ein paar Menschen gibt, denen die gekochte Suppe genau so wenig schmeckt wie uns. Diese auszulöffeln, nachdem wir sie versalzen haben, sollte unserer Meinung nach jedoch auch Aufgabe derer sein, welche die „Szene-Zustände“ seit längerem produzieren und reproduzieren. Daher ist dies auch gleichzeitig als Aufforderung an jede_n einzelne_n zu verstehen, der_die sich im rostocker Szenefilz bewegt, das komplette eigene „Szenehandeln“ in Frage zu stellen, sich an einem Diskurs zu beteiligen, um vielleicht einen neuen emanzipativ-progressiven Geist innerhalb der linken Szene zu beleben.

Auf dass an dieser Stelle viele brauchbare Gedanken veröffentlicht werden und die größenwahnsinnige Idee, dass alles doch irgendwann besser sein könnte, nie vergeht.