Offener Brief an Systemausfall

Gestern wurde ein Text vom Antisexistische Bündnis Rostock auf der regionalen Internetplattform „KomFort“ veröffentlicht. Wir haben uns in jüngster Vergangenheit auch mit dem dort angesprochenen Thema beschäftigt und als Resultat einen offenen Brief an Systemausfall formuliert. Den Text des ASB wollen wir nun zum Anlass nehmenn, diesen Brief nun endlich hier zu veröffentlichen und auch Systemausfall zukommen zu lassen.

Offener Brief an Systemausfall bezüglich des Ausschlusses des Antisexistischen Bündnis Rostock

Systemausfall versteht sich als „eine freie Plattform zur Weltoptimierung“.1 Dessen Angebote, wie etwa das Bereitstellen von Servern für E-Mail-Postfächer oder auch Webseiten, wollt Ihr, die Betreiber_innen, als „Werkzeuge“ für „AktivistInnen“ verstanden wissen, mit denen diese „die Welt ein Stück lebenswerter […] gestalten.“2

Mitte Oktober 2011 stellte eine politisch aktive Gruppe aus Rostock, das Antisexistische Bündnis Rostock, eine Anfrage nach einer E-Mail-Adresse an Systemausfall und bekam eine Absage. Aus diesem Anlass und vermutlich wissend um die Wirkungskraft der Mundpropaganda und Gerüchteküche der kleinen mecklenburger und Rostocker Szene, wurde von Systemausfall eine Stellungnahme veröffentlicht3, um sich in der Öffentlichkeit zu dem Ausschluss dieser Gruppe zu positionieren. Dass sich bis heute, ein viertel Jahr nach dem Vorfall, weder irgend eine Seite der Rostocker Politszene zu dieser Tatsache geäußert hat, geschweige denn sich öffentlich über diese „Aktion“ empört oder sich mit dem ASB solidarisiert wurde, zeugt nicht zuletzt von der desolaten Situation einer Szene, die sich damit tendenziell als unpolitisch outet. Aber dies nur am Rande.

Die Stellungnahme, mit der sich Systemausfall bemüht, diesen Ausschluss zu rechtfertigen, ist wohl eher als Versuch einer Schadensbegrenzung an Systemausfall selbst vor der (Szene-)Öffentlichkeit zu verstehen. Die angeführten „Argumente“ halten einem Abgleich mit der Arbeit der ausgeschlossenen Gruppe und damit der Realität nicht stand – aber um Argumente scheint es hier auch gar nicht zu gehen.
In der besagten Stellungnahme wird das ASB als „Politsekte“ beschrieben und somit aufs gröbste diffamiert. Unter „Politsekten“, so wird weiter ausgeführt, seien diejenigen Polit-Gruppen zu verstehen, welche zum einen dogmatische Theorien und ein „geschlossene[s] Weltbild“ vertreten und sich zum anderen „diskurs- und bündnisfeindlich“ verhielten. Dazu zähle auch der „Missbrauch öffentlicher Räume“ wie beispielsweise Bündnis-Plena oder aber auch „häufige persönliche Diffamierungen“. Erst wenn beide Eigenschaften auf eine Gruppe zutreffen, sei dies Grund genug, dieser die Ressourcen zu verweigern, die ansonsten den inhaltlich verschiedensten Menschen und Projekten zur Verfügung stehen.

Zwar bleiben diese Anschuldigungen sehr unkonkret, allgemein und beispielhaft formuliert, doch wenn man weiß, dass es sich bei der ausgeschlossenen Gruppe um das ASB handelt, konkretisieren sich die Vorwürfe von ganz alleine und was am Ende übrig bleibt, ist dass mit den heftigen Anschuldigungen letztendlich der strukturelle Szeneausschluss vorangetrieben wird.
Dass Systemausfall lediglich ein paar „Reizwörter“ in den Raum wirft, um so ihr Vorgehen zu rechtfertigen, widerspricht paradoxer Weise dem selbst formulierten Anspruch auf eine offene und diskursive Kommunikationskultur. Aber was für andere gilt, muss ja nicht unbedingt für einen selber gelten und so wird ledigliches Termdropping4 („Politsekte“, „diskursfeindlich“, „bündniszerstörend“ etc.) zur eigentlichen Argumentationsfigur vom Systemausfall.

Gäbe es tatsächlich eine politische Kritik von Seiten Systemausfalls am ASB, hätte man sich sicherlich >diskursiv< darüber austauschen können. Doch wo keine Argumente sind, kann auch kein sinnvoller Diskurs zu Stande kommen und das, so unterstellen wir, sollte an dieser Stelle auch gar nicht passieren. Wir glauben, dass in den tiefen des Rostocker Szenesumpfes einige weit zurückreichende Konflikte schlummern, die eben an diversen Stellen immer wieder an die Oberfläche schwappen. Auch das ist ein Problem von nicht geführten politisch-argumentativen Auseinandersetzungen. Und so möchte Systemausfall auf Grund verschwörungstheoretischer Projektionen – beispielhaft hierfür steht der Vorwurf der Bündniszersetzung, der eindeutig auf frühere Vorwürfe anspielt, laut denen das ASB ein großes spektrenübergreifenden Bündnis in MV zerstört haben soll5

–, die sich vermutlich auch aus alten Konflikten speisen, schlicht und einfach keine gemeinsamen Politikstrukturen mit dem ASB teilen. Dazu könnte man stehen und dies auch so benennen oder aber man muss Gruppen, die einem persönlich nicht gefallen, tolerieren. Systemausfall hat sich für den dritten Weg entschieden und belegt das ASB nun mit besagten Vorwürfen, um das eigene Vorgehen zu legitimieren.

Wir könnten uns nun noch weiter an verschiedenen Aspekten aufreiben und diese kritisieren…
Beispielsweise wäre da noch der krasse Vorwurf der Wortergreifungsstrategie, der besonders ekelhaft daher kommt, wenn man berücksichtigt, dass so doch sonst i.d.R. nur eine „neue rechte Strategie“ von NPD und Co. bezeichnet wird. Denkt man diesen Vorwurf zu Ende, so landet man bei bösartiger Interpretation bei einem Nazivergleich von Seiten Systemausfalls.
Ein weiteres Beispiel ist auch die absolut schäbige Kommentar-und-Antwort-Funktion-Politik auf der Seite von Systemausfall.org.6 Hier wurden u.a. alle sich negativ auf Systemausfall beziehende Kommentare dem ASB zugewiesen und als symptomatisch für die Gruppe dargestellt, obwohl diese von anonymen Internetusern verfasst wurden – ein Muster, das ebenfalls sehr gut in die bereits angesprochene verschwörungsideologische Denke von Systemausfall passt.7
…bei diesen inhaltlichen Ausführungen soll es jedoch erstmal bleiben.

Zunächst hatten die Verfasser_innen dieses Briefes das Bedürfnis auf Klärung des Vorfalls und Richtigstellung des in der Öffentlichkeit erzeugten Bildes des ASB, welches durch den Ausschluss aus regionalen Politikstrukturen und dessen öffentliche Begründung gezeichnet wurde. Mit unserem heutigen, etwas distanzierterem Blick auf den Vorfall und speziell auf die Politik von Systemausfall, kann jedoch gesagt werden, dass es hier nichts zu klären gibt. „Richtigstellen“ tut sich das ASB in unseren Augen seit den Anfängen seiner politischen Aktivität, wovon sich jede_r Interessierte selber ein Bild machen kann – dazu braucht niemand die Hilfe von Systemausfall.

Trotzdem hatten wir das dringende Bedürfnis dem ASB bei dieser üblen Anfeindung zur Seite zu stehen. Wir erklären uns daher ganz klar solidarisch und fordern diese Solidarität auch von allen anderen emanzipatorischen Gruppen – unabhängig davon, ob man die Politik des ASB für richtig oder falsch, überflüssig oder angebracht hält, egal ob man sich dieser Gruppe ideologisch nahe fühlt oder eher fern. Die Strukturen die Systemausfall bereit stellt, sind schätzenswert. Doch die Politik, mit der diese Strukturen verwaltet werden, hat mit einer emanzipatorischen und diskursiven Weise wenig zu tun. Im konkreten Fall wird man eher vom Gegenteil überzeugt – nämlich von einer emotional aufgeladenen, willkürlichen Machtdemonstration, die gegen unliebsame Gruppen jeder Zeit wiederholbar ist.
Im Endeffekt kann Systemausfall mit seiner eigenen Plattform umgehen wie es will, ausschließen wen es möchte und müsste dies auch nicht einmal begründen. Damit müsste auch jede_r Einzelne und jede Gruppe leben können, vorausgesetzt er_ihr ist vorher transparent, um was für eine Struktur es sich dabei handelt. So können wir Systemausfall nur raten, ihre formulierten Ansprüche teilweise zu überarbeiten oder ggf. sogar ihre Politik zu wechseln, was natürlich noch begrüßenswerter wäre.
Bis letzteres passiert ist, sollten sich jedoch alle emanzipatorischen Gruppen und Einzelpersonen, die die Strukturen von Systemausfall benutzten, ernsthaft darüber Gedanken machen, ob sie diese weiterhin unterstützen / nutzen wollen oder vielleicht doch lieber eine Alternative wählen.

In diesem Sinne gehen wir jetzt weiter auf Blogsport spielen!8
Kritische Provinz

# Alle nicht gekennzeichneten Zitate stammen aus der Stellungnahme von Systemausfall
# Um politisch motivierte Austritte bei Systemausfall zu unterstreichen, kann gerne dieser offene Brief angeführt werden – selbstverständlich auch in veränderter, abgewandelter oder gänzlich neuer Form.

  1. Selbstdarstellung auf https://systemausfall.org/?q=node/10 [zurück]
  2. Siehe Fußnote 1 [zurück]
  3. Siehe hierzu „Aus aktuellem Anlass“ von Systemausfall: https://systemausfall.org/?q=node/97 [zurück]
  4. Anlehnung an den Begriff des „Namedropping“ [zurück]
  5. Dieser Vorwurf findet sich ein wenig generalisierender und kryptischer formuliert in der Stellungnahme. Es wird von „nachweisbarer bündnis-zerstörender Praxis“ gesprochen – Vorwürfe, die bereits von verschiedenen Personen, u.a. aus dem Systemausfall-Umfeld, geäußert wurden. Dass das ASB niemals Teil des Bündnisses war, wurde hierbei immer gekonnt ignoriert. Die Beweise für eine bündniszerstörende Praxis, von denen Systemausfall spricht, werden im übrigen leider nicht geliefert. [zurück]
  6. Siehe https://systemausfall.org/?q=node/97#comment-120 [zurück]
  7. Vgl. die Aussagen des Systemausfall-Admins: https://systemausfall.org/?q=node/97#comment-135; oder auch: https://systemausfall.org/?q=node/97#comment-138 [zurück]
  8. https://systemausfall.org/?q=node/97#comment-137 [zurück]

21 Antworten auf „Offener Brief an Systemausfall“


  1. 1 vegan_antifa 06. Februar 2012 um 20:29 Uhr

    danke für die gute stellungnahme! es ist so wichtig, dass hier klar solidarität gezeigt wird.

    … und dass endlich ein richtiger diskurs entsteht.

  2. 2 me 06. Februar 2012 um 22:00 Uhr

    was hat ein abgelehnter mailaccount eigentlich mit „Ausschluss aus regionalen Politikstrukturen“ zu tun?

  3. 3 leo 06. Februar 2012 um 22:37 Uhr

    Ich fürchte, die Botschaft dieses Artikels bleibt mir verborgen:
    Soll den systemausfallern vorgeworfen werden, dass sie eigenständig über die Verteilung ihrer Freizeit entscheiden?
    Oder soll ihnen nachgetragen werden, dass sie eine Stellungnahme zum Thema verfasst haben?

    Über die erste Frage müssen wir wohl nicht diskutieren.
    Für die zweite genügt ein kurzer Rückblick auf den Ablauf der Tragödie (die der Autor verwirrenderweise ausließ):
    1) Gruppe A bitte diskret Gruppe B um eine Dienstleistung
    2) Gruppe B sagt diskret „nein, das möchten wir nicht“
    3) Gruppe B wird daraufhin von individuellen Hassmails bombardiert
    4) Gruppe B äußert sich zum Thema – ohne Gruppe A zu benennen

    Aber mal abgesehen von der Vergangenheit: zäumen wir das Pferd doch nochmal von der anderen Seite auf!
    Ein großer Teil der technischen Infrastruktur in MV wird derzeit durch systemausfall geleistet. Die systemausfaller rufen in ihrer jährlichen Spendenkampagne regelmäßig dazu auf, dass sich auch andere Technik-Kollektive in MV bilden sollten, damit dieser sowohl technische, legale als auch soziale single-point-of-failure entschärft wird. Dazu bieten sie auch ihre großflächige Unterstützung an.
    Warum nehmen wir diesen Moment nicht einfach zum Anlass, sowohl systemausfall den Finger zu zeigen, als auch ihrem Wunsch nachzukommen und wirklich alternative Strukturen zu errichten?
    Reden tun wir alle gern und die Zeit die von allen Seiten bereits in dieser unseligen Diskussion verbrannt wurde, sprengt jeden vernünftigen Rahmen. Lasst uns doch einfach stattdessen etwas sinnvolles tun – dann braucht sich in fünf Jahren niemand mehr ernsthaft darüber zu ärgern, durch den systemausfall-Test gefallen zu sein …

  4. 4 leo-po-peo 06. Februar 2012 um 23:07 Uhr

    was du vergisst in deiner geistreichen Auflistung, dass Gruppe B nicht diskret NEIN gesagt hat, sondern die übelsten Beschuldigungen gebracht hat. Wenn ich ein politisches Projekt ablehne, muss ich das politisch und nicht persönlich begründen können. ES kamen aber nur leere, falsche Hülsen. Das die Gruppe A das nicht verschwiegen hat und dass an Freund_innen kommuniziert hat, is nur fair! Wenn diese dann Hassmails schreiben, is das nicht das Ding von Gruppe A! Und Gruppe B hätte sich zu jedem zeitpunkt gegen eine Veröffentlichung und für ein Gespräch entscheiden können, haben sie aber nicht. Fail Gruppe B!

  5. 5 leo 06. Februar 2012 um 23:31 Uhr

    @leo-po-peo:

    was du vergisst in deiner geistreichen Auflistung, dass Gruppe B nicht diskret NEIN gesagt hat, sondern die übelsten Beschuldigungen gebracht hat.

    sorry – wo kann ich das bitte nachlesen?
    So wie ich den Sachverhalt verstehe, hat systemausfall die Bitte des ASB in einer privaten Mail abgelehnt. Soweit alles gut und schön – jeder teilt sich eben seine Freizeit selbst ein.

    Den weiteren Verlauf kennen wir leider …

    Zurück zu meiner Zukunfts: systemausfall (politisch) abzuschalten ohne vorher eine Alternative aufgebaut zu haben, wirkt selten dämlich. Also: wie geht es los?

  6. 6 leo 06. Februar 2012 um 23:32 Uhr

    „zu meiner Zukunfts“ -> „Zukunftsfrage“

  7. 7 kritische_r Prof 06. Februar 2012 um 23:54 Uhr

    @ leo

    du schriebst: „Warum nehmen wir diesen Moment nicht einfach zum Anlass, sowohl systemausfall den Finger zu zeigen, als auch ihrem Wunsch nachzukommen und wirklich alternative Strukturen zu errichten?“

    gute Idee! sag einfach bescheid, wenn du so weit bist, vielleicht kommen auch wir auf das Angebot zurück und nutzen dann diese Strukturen. Leider fehlt mir persönlich die Zeit ein solches Projekt mit aufzubauen, ansonsten würde ich mich vielleicht auch daran beteiligen.

    Du schriebst außerdem:

    „systemausfall (politisch) abzuschalten ohne vorher eine Alternative aufgebaut zu haben, wirkt selten dämlich. Also: wie geht es los?“

    Bis regionale Alternativen zu Systemausfall aufgebaut sind, kann man ja überregionale Dienste nutzen. Eine der bekanntesten Alternativen dürfte z.B. https://riseup.net/ sein.

  8. 8 leo 07. Februar 2012 um 0:23 Uhr

    @kritische_rProf:

    Bis regionale Alternativen zu Systemausfall aufgebaut sind, kann man ja überregionale Dienste nutzen. Eine der bekanntesten Alternativen dürfte z.B. https://riseup.net/ sein.

    riseup als Alternative ist natürlich populär (und gut), aber es löst das single-point-of-failure-Problem nicht: in den USA gibt es neben riseup (bestehend aus einem Dutzend Leute) kaum regionale Strukturen. Hier in Mitteleuropa befinden wir uns im Vergleich dazu in einer geradezu paradiesischen Situation. Und trotzdem erscheint vielen in der Szene die regionale Alleinstellung von systemausfall als riskant und fragil.

    Es ist kinderleicht und manchmal auch lustig, ein wertvolles Werkzeug mit bloßer Wortgewalt zu zerstören. Aber wir sollten trotzdem – bei aller Liebe zum theoretischen Detail – auch die potentiell destruktiven Auswirkungen unserer Debatten im Auge behalten.

  9. 9 critical_mess 07. Februar 2012 um 0:38 Uhr

    @leo:

    äh ja aber du kannst die diskretion nachlesen?

    das private ist politisch, wenn ich eine emanzipatorische gruppe als polit-sekte beleidige, dann muss ich auch damit rechnen da was zurück zu bekommen – von wegen diskretion, als würden die systemausfall dies nicht auch mit freunden drüber reden – vor allem wegen der sachen warum sie das asb_hro abgelehnt haben.

    und auch wenn systemausfal die gruppe nicht benannt hat, war sofort vielen klar um wen es sich handelt

  10. 10 critical_mess 07. Februar 2012 um 0:45 Uhr

    erneut @leo:

    ich finde nicht, das das ein theoretisches detail ist. es ist im gegenteil ein ganz wichtiges element: mit welcher begründung lehne ich was und wen ab?

    die destruktivität liegt deswegen nicht bei der diskusion die jetzt läuft (auf komfort, mädchenblog, useless und hier), sondern auch im nicht-diskutieren und nicht-ansprechen der dinge.

  11. 11 useless 07. Februar 2012 um 0:51 Uhr

    Hey ihr,
    ich finde es prima, das ihr in die Debatte mit einem eigenen Beitrag einsteigt. Einfach nur Kommentare in die dazugehörigen Spalten zu schreiben, bringt in der Richtung nämlich nichts.

    @Offener Brief und Kommentare

    Aus dem Offenen Brief selbst und den Kommentaren hier geht meinem Eindruck nach die Tendenz hervor, dass es nötig wäre aufgrund des obigen Sachverhalts Systemausfall zu boykottieren bzw. die technischen Angebote gar abzuschalten oder sogar „eigene“ Alternativen aufzubauen.

    Das finde ich grundfalsch und tut Systemausfall als Ganzes unrecht. Was nötig ist, ist eine Auseinandersetzung mit der Stellungnahme. Hieraus aber wiederum einen Angriff auf die Existenz des Projekts Systemausfall als Ganzes zu schlussfolgern, finde ich schräg bis nicht nachvollziehbar.

    Systemausfall ist richtig und wichtig und gerade deshalb ist eine Diskussion MIT Systemausfall wichtig. Ein politischer Austausch eben. Die von Systemausfall ausgehenden Projekte, die auch für alle einsehbar auf ihrer Website präsentiert werden hingegen sind in aller Regel einmalig und unersetzbar. Wer von euch beschäftigt sich denn sonst mit den dort verhandelten Themen oder ist zudem in der Lage soviel Zeit und Engagement zu investieren, dies auch noch in konkreten digitalen Angeboten umzusetzen? So unhaltbar der eine Systemausfall-Text auch sein mag, den Respekt vor der politischen Arbeit dieser Initiative sollte dabei nicht über Board geworfen werden. Sonst reproduziert man (mit einem n) auch nur dass, was man Systemausfall eigentlich vorwerfen will.

    Umgangssprachlich und unzulässig verallgemeinernd ausgedrückt, seit ihr (damit meine ich die Gesamtheit der hier Kommentierenden) doch eh nicht in der Lage, einen Server zu bedienen.

  12. 12 leo 07. Februar 2012 um 0:54 Uhr

    @critical_mess:

    äh ja aber du kannst die diskretion nachlesen?

    klar – https://systemausfall.org/?q=en/node/97#comment-129:

    Der gesamte Prozess fand nur zwischen Gruppe und systemausfall statt. Die Rufschädigung hat die Gruppe also selbst produziert. Wir haben von der Tatsache, dass die Gruppe die Ablehnung anscheinend öffentlich kommuniziert hat, auch nur durch die unerwarteten Zustimmungsbekundungen erfahren, die plötzlich aus verschiedenen Ecken zu uns drangen.

    critical_mess:

    von wegen diskretion, als würden die systemausfall dies nicht auch mit freunden drüber reden

    Aus den Formulierungen der systemausfaller habe ich ein inneres Ringen entnommen – und keinen hasserfüllten Groll. Insofern sehe ich auch keinen Grund, warum sie mit dieser Großtat hätten hausieren gehen sollten. Das mag aber eine Frage der Wahrnehmung sein.

    Zurück zu meiner Frage: wie bauen wir wieder auf, was wir gerade potentiell an Infrastruktur zerreden? Hat jemand einen Plan-B – gern auch langfristig?

  13. 13 rostockar 07. Februar 2012 um 0:58 Uhr

    leute, leute. macht doch bitte aus persönlichen dingen, die am anfang des zwists standen, nicht auch noch politics. den vorwurf, dass die systemausfall-leute u. andere nie den diskursiven dialog mit dem „asb“ gewollt haben, stimmt schon mal gar nicht. remember please ajuca-auswertung 2010. die art und weise wie jetzt gegen „systemausfall“ geschossen wird, vermittelt auf mich den eindruck, dass menschen ausgeschlossen werden sollen (dann lieber riseup und wir boykottieren alle systemausfall), weil sie es gewagt haben, neben der ablehnung einer mailadresse auch noch die politikansätze des asb zu kritisieren. okay, vielleicht mit worten (wortergreifungsstrategie, geschlossenes weltbild etc.), die ein bisschen doll waren. aber hallo?

    es gibt ansätze im asb, die sehr kritikwürdig sind und gegenstand einer innerlinken debatte sein sollten, da sie emanzipatorischen und gleiche rechte anerkennenden Prinzipien entgegenstehen. gepaart mit ein wenig dogmatismus, entsteht so eine mischung, die sehr schnell mit ausgrenzungen zur hand ist und nur noch wenig mit wirksamer linksradikaler politik zu tun hat und mal wieder einen internen selbstzergemüsungsprozess in der linken nach sich ziehen kann. aber ich hoffe mal nicht. ich selber habe keine lust auf solche diffamierungsdiskurse. und das war auch mein einziger kommentar dazu.

  14. 14 leo 07. Februar 2012 um 1:21 Uhr

    @useless:
    Ich glaube wirklich ernsthaft, dass die systemausfaller sich über das Entstehen einer Alternative – selbst unter diesen Umständen – tatsächlich freuen würden.
    Ansonsten stimme ich deinem Beitrag aus vollem Herzen zu.

  15. 15 Fakten checken 07. Februar 2012 um 10:09 Uhr

    Leute, checkt doch bitte mal eure Fakten, bevor ihr euch hier selbst öffentlich so bloßstellt. Die Wortergreifungsstrategie ist eine trotzkistische Methode und ist seit 90 Jahren schriftlich dokumentiert. Bei aktuellen trotzkistischen Grüppchen wie z.B. der SAV erfreut sie sich noch immer großer Beliebtheit. Und ja, auch bei der NPD hat offensichtlich mal einer was davon gelesen.

    Ganz ehrlich, was soll der Brief bringen? Ein Boykott? Wie willst du denn so eine Struktur boykottieren? Die systemausfaller*innen sind nicht McDonalds, die gehen nicht Pleite, wenn keine*r mehr dort einkaufen geht. Lies dir doch mal die Blogeinträge bei denen durch, die wären heilfroh, wenn sie weniger user hätten…

  16. 16 @rostockar 07. Februar 2012 um 12:01 Uhr

    Lauter steile Thesen und dit war dein letzter Kommentar? Schade.

  17. 17 Großstadtrevier 08. Februar 2012 um 0:52 Uhr

    Ich bin mit der Grundausrichtung dieses Briefes auch mehr als unglücklich, sich mit dem ASB zu solidarisieren ist eure Entscheidung, die respektiere ich, aber die Forderung nach Alternativen, also den Systemausfallboykott empfinde ich als unsolidarischen akt.
    Wichtiger wäre es alle Seiten zur kritisch-solidarischen Diskussion zu bewegen, aber dabei spielt das Wort solidarisch eine wichtige Rolle. Jetzt Systemausfall die Tür vor der Nase zuzuschlagen, halte ich auch für falsch. In dieser Diskussion kommen wir mit schwarz/weiß – Denken, und gerade ihr als „kritische provinz“ solltet dadrüber stehen, und einseitigen Solidarisierungen nicht weiter. Was wir hier brauchen ist der Dialog auf Augenhöhe aller Beteiligten, nicht mehr aber auch nicht weniger.

  18. 18 kritische_r Prof 08. Februar 2012 um 1:23 Uhr

    @ Großstadtrevier

    Du hast dich ein wenig verlesen. Wir rufen nicht zum Systemausfallboykott auf. Wir fordern lediglich eine Auseinandersetzung damit, wie Systemausfall seine Strukturen verwaltet bzw. was für eine Politik dahinter steckt. Was am Ende einer solchen Auseinandersetung für eine Konsequenz steht, wird je nach politischem Selbstverständnis variieren und das ist okay. Für uns (nach unserem Selbstverständnis) kann die Konsequenz jedoch im Moment nur sein, kein Systemausfall mehr zu nutzen, bis sich etwas an der Verwaltung dieser Strukturen ändert.

    Im übrigen ist die Art und Weise wie die Stelungnahme von Systemausfall geschrieben wurde, sowie die Begründung des Ausschlusses ein nicht misszuverstehendes Zeichen dafür, dass diese Gruppe absolut gar keinen Wert darauf legt in einen produktiven Diskurs mit dem ASB zu treten. Der kritisch-solidarischen Dialog, den du forderst, wäre zwar nett, liegt jedoch nicht im Interesse von Systemausfall. Ansonsten hätten sie diesen ja auch mit einer solidarischen Kritik beginnen können.

  19. 19 Großstadtrevier 08. Februar 2012 um 14:02 Uhr

    In meine Augen wirken sowohl die Grundhaltung eures Briefes, wie auch die Anregung euern Brief bei einem Austritt zu nutzen, wie eine Boykotaufforderung, aber okay.
    Die Stellungnahme von Systemausfall sollte erstmal nüchtern als das betrachtet werden, was sie ist, eine allgemeine Feststellung aus gegebenem Anlass, mir entzieht sich völlig, was im Hintergrund für ein Mailverkehr geschah und wie sich beide Seiten verhalten haben.
    Ferner werft ihr Systemausfall vor mit Reizwörtern agiert zu haben, selbiges tut ihr aber auch, wenn ihr betont, dass emanzipatorische Gruppen sich verhalten müssen und ihr eine einseitige Solidarisierung fordert.
    Diese einsseitigen Solidarisierung egal in welche Richtungen helfen hier doch im Augenblick niemandem mehr weiter.
    Vielleicht hat Systemausfall sich nicht kritisch-solidarisch für einen diskursiven Weg entschieden, vielleicht ist der ASB in der Vergangenheit durch Wortergreifungsstrategien und aggressiven diskursfeindlichen Umgang aufgefallen oder vielleicht haben Menschen es nur so wahrgenommen, irgendwie müssens ich ja auch die vielen negativen Kommentare erklären, wenn wir mal davon ausgehen, dass in Rostock und MV nicht eine völlig sexistische Szene unterwegs ist, deren Lieblingsbeschäftigung im Antisexismus – Bashing liegt. Entscheidend ist, dass jeder im Moment gefragt wäre, sein möglichstes zu tun, um einen kritisch-solidarischen Dialog zu beginnen, und dieses nicht abzuwiegeln mit „aber die anderen haben ja angefangen“, das hilft hier nicht und das bringt auch nichts.

  20. 20 Katz und Maus ist das selbe? 08. Februar 2012 um 14:37 Uhr

    wieso sollten wir davon ausgehen, dass in rostock und mv keine sexistische szene unterwegs ist? glaubst du das ist hier anders als anderswo? in was für einer traumwelt lebst du denn? hast du dich jemals mit herrschaftsverhältnissen und unterdrückungsmechanismen auseinander gesetzt?

  21. 21 Großstadtrevier 08. Februar 2012 um 14:47 Uhr

    Imagine toi in meiner Traumwelt gibt es keine Herrschaft und keine Klassen mehr und die Menschen sind wirklich frei, aber zurück zur Realität und etwas netter, ich habe jediglich geschrieben „keine völlig“(!) und darum geht es, natürlich gibt es Sexismen innerhalb der Szene eben weil wir alle unsere gesellschaftliche Sozialisierung und unseren Reproduktionsanteil an der Gesellschaft nicht mit Szeneeintritt abgeben. Mir ging es darum, dass wir nicht davon ausgehen sollten, dass die Szene so ausgerichtet ist, dass sie das Thema Antisexismus so ablehnt, dass ihr Hobby darin liegt Antisexisten zu bashen, sondern dem Thema vielmehr eigentlich offen und positiv gegenüber steht, und wir uns fragen sollten, wie es soweit kommen konnte, dass die Stimmung jetzt so vergiftet ist. Wenn das für dich Missverständlich war, tut mir leid, manchmal schweife ich halt ab in meine Traumwelt und stell mir vor, alle wüssten gleich was ich meine und würden sonst nett nachfragen.

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