Vom Teil des Problems zum Teil einer Lösung

Das mit dem Wunden aufreißen ging ja schnell. Fast schneller als uns lieb sein kann. Bereits nach unserem ersten Post ertönten laute Schreie nach „Mehr!“ durch die Kommentarspalten. „Wer anbietet muss auch liefern“ konnte man da beispielsweise lesen – eine Aussage die vor lauter Warenförmigkeit nur so trieft. Auch die erste regionale Referenz haben wir bereits bekommen.

Dass wir gleich so viel Aufruhr verursachen würden, war uns nicht bewusst. Auch hätte eine Art Vorstellungstext, den wir auf Kombinat Fortschritt veröffentlichen lassen wollten, uns eigentlich erst einen gewissen Bekanntheitsgrad einbringen sollen. In diesem wollten wir nochmal ein wenig deutlicher darlegen, was es nun mit dem Projekt „Kritische Provinz“ auf sich hat. Warum? Um eine kritische Ausstrahlungskraft zu entfalten, müssen die eigenen Texte zumindest gelesen werden. Voraussetzung dafür ist, dass man uns kennt.

Leider ist die offene Beteiligung auf „KomFort“ offensichtlich keine ernstgemeinte Angelegenheit gewesen. Der Text wurde bis heute weder veröffentlicht, noch wurde uns dazu irgend ein Feedback gegeben. Auf Nachfrage teilte man uns lediglich mit, dass keine einheitliche Meinung zu einer Veröffentlichung unseres Textes bestünde und die Sache deshalb noch besprochen werden müsse. Nunja, bekannt sind wir nun trotzdem und eine gewisse Aufmerksamkeit ist uns sicher. Daher sehen wir mitlerweile (nach über drei Wochen) gar keinen Zweck mehr darin den Artikel auf „KomFort“ veröffentlichen zu lassen. Trotzdem wollten wir den Text noch (auch der Vollständigkeit halber) an dieser Stelle archivieren.

Viel Spaß also beim lesen.

Vom Teil des Problems zum Teil einer Lösung

Warum Rostock und MV eine neue diskursanstoßende Plattform bitter nötig hat

Ende Juli 2011 ging für MV eine neue „linke Szeneplattform“ online: das Kombinat Fortschritt. Damals wurde das Projekt in Form eines Interviews auch auf Indymedia vorgestellt1, wobei bereits anklang, dass diskurstechnisch von dieser Seite eher wenig kontroverses zu erwarten wäre. Viel mehr würde es sich bei „KomFort“ um eine Art Plattform für „linke“ und „emanzipatorische“ Inhalte handeln. Intention sei es nicht, einen klaren eigenen Standpunkt und konkrete Positionen zu allem Möglichen zu formulieren und somit Diskurse zu provozieren, sondern eher „politische Theorie und Praxis in MV abzubilden“ bzw. „zu bündeln“.2

Dieser Selbsteinschätzung kann man ein halbes Jahr später so weit zustimmen. „KomFort“ hat sich zu keinem reinen Informationsportal entwickelt – diese Bezeichnung trifft eher für das Projekt Links-Lang zu, welches für „Szenemenschen“ aus MV ebenfalls bekannt sein dürfte. Zwar würden wir sagen, dass die Hauptaufgabe von „KomFort“ auch darin besteht über Ereignisse zu informieren (wobei der Fokus auf dem Thema „Antifa“ liegt), jedoch werden diese Informationen meist durch eigene Artikel aufbereitet, kommentiert, eingeschätzt und gelegentlich auch klarer Positionen bezogen. Und das ist erstmal neu.

Was unserer Meinung nach weiterhin in MV und Rostock fehlt, ist eine explizit szene-kritische Plattform. Kritik ist wichtig, um eine ständige Selbstreflexion voranzutreiben. Es reicht nicht aus von der Gesellschaft eine emanzipatorische Wendung zu verlangen und dabei zu vergessen, dass man doch selber Teil dieser und somit auch Bestandteil des Problems an sich ist. Bestandteil der Lösung kann man hingegen nur werden, wenn alle Praxis und alle dahinter stehende Theorie hinterfragbar bleiben und nicht irgendwann selbstverständlich werden. Das ist anstrengend, aber unserer Meinung nach um so besser möglich, je mehr sich auch innerhalb einer „Linken“ kritisch ausgetauscht wird.

Wir haben uns daher zur Aufgabe gemacht, einen kritischen Diskurs, den es in dieser Form in MV nicht gibt, zumindest in Rostock anzustoßen – vielleicht lässt sich ja sogar darüber hinaus etwas bewegen, auch wenn wir uns selbst gegenüber erstmal kritisch sind, diesen Brocken irgendwie stemmen zu können.3 Somit wollen wir in der kommenden Zeit verschiedene Dinge thematisieren, die unserer Meinung nach schrecklich schief laufen, ohne dass es einen (szene-)öffentlichen Aufschrei von irgendwem gäbe. Strukturen und Handlungen, die zur Gewohnheit geworden sind, werden wir versuchen zu hinterfragen und hoffen, dass wir in der Tat die ein oder andere Diskussion anstoßen können – und nicht nur alleine vor uns hin schreiben.

In diesem Sinne freuen wir uns auf eine (hoffentlich) konstruktive Arbeit am Projekt der Emanzipation.

Kritische Provinz

  1. siehe http://de.indymedia.org/2011/08/313194.shtml [zurück]
  2. die Zitate stammen aus dem Interview (siehe Fußnote 1). [zurück]
  3. vgl. hierzu auch unser erstes Lebenszeichen unter http://kritischeprovinz.blogsport.de/2012/01/11/hallo-provinz/ [zurück]

13 Antworten auf „Vom Teil des Problems zum Teil einer Lösung“


  1. 1 useless 10. Februar 2012 um 18:56 Uhr

    Ich versteh‘ euch nicht. *kopfkratz*

  2. 2 kritische_r Prof 10. Februar 2012 um 20:21 Uhr

    Was genau verstehst du denn nicht? Vielleicht kann ich dir ja weiter helfen, wenn du ein bisschen präziser wirst?

  3. 3 Gegen Vulgärmarxismus 12. Februar 2012 um 13:00 Uhr

    „Wer anbietet muss auch liefern“ konnte man da beispielsweise lesen – eine Aussage die vor lauter Warenförmigkeit nur so trieft.

    Ne Nummer kleiner ging es da nicht grad oder? Auf die sehr laute und zeitgleich äußerst diffuse Ankündigung zur Kritik eurerseits wurde reagiert mit, ‚na dann wollen wir auch was sehen‘. Daraus eine Warenförmigkeit konstruieren zu wollen, weckt erhebliche Zweifel inwiefern ihr euch mit Marx mal auseinandergesetzt habt.

    Es bleibt zu hoffen, dass eure nächsten Texte etwas fundierter und konstruktiver sind. Das Aufsagen völlig unverstandener Termini reicht dazu bei weitem nicht aus.

    http://mlwerke.de/me/me23/me23_049.htm

    Wer lesen kann ist klar im Vorteil…

  4. 4 blast 12. Februar 2012 um 18:41 Uhr

    Die Nazis werden sich über euch noch freuen.
    Ist es eigentlich euer anliegen Projekte wie „KomFort“
    in den boden zustampfen und eigene Projekte zu starten oder reicht euhc das einstampfen ?

  5. 5 critical_mess 12. Februar 2012 um 21:29 Uhr

    @blast:

    nach der Logik, das sich „die Nazis noch freuen“ werden, dürfte dann gar kein Steit -unter linken- öffentlich und nachlesbar mehr von statten gehen – das könnte ja schlieszlich noch Schadenfreude wecken…
    ich denke es ist wichtig die Diversität von Meinungen (auch in bezug auf bestimmte [linke-]Projekte) ruhig auch herauszustellen und für „andere“ und „uns“ selbst nachvollziehbar zu machen. Solange dabei aufgepasst wird keine (strafrechtlich o.ä.) [selbst-]gefärdenen Aussagen zu machen.

    wo wird von uns denn bitte die Einstampfung von „KomFort“ gewünscht? ganz im Gegenteil, es wird versucht, aus unserer Sicht darzustellen, wie wir „komFort“ sehen. Und nicht es als komplett falsch und unötig darzustellen.

    und KritischeProvinz ist für uns ja auch ein Projekt, also ja, ich bin zumindest dafür neue Projekte zu starten ;) (und eben auch die bestehenden kritisieren zu dürfen – warum wird das als potentiell existentielle Hinterfragung aufgenommen?)

  6. 6 omfg 13. Februar 2012 um 17:49 Uhr

    *mitkratz*

  7. 7 Inselblogger 15. Februar 2012 um 17:56 Uhr

    Also… wir verstehen nicht warum es solche großen Gefühlsregungen gegenüber diesen Blog gibt. Anscheinend fühlen sich sehr viele Menschen auf die Schwänze getreten. Im allgemeinen finden wir es gut, wenn sich mit der Szene kritisch auseinander gesetzt wird. Und wir sollten nicht angst davor haben, dass Nazis sich über uns lustig machen (Hallo! diese Leute haben über Kot im großen
    Stiel geschrieben) sondern davor das wir verlernen Kritik und Selbstkritik äußern zu können und mit jener Umzugehen. Mit den Worten des asb: „Kritik muss auch weh tun können“. Besonders auffällig war die aggressive Gangart gegen Feminist_Innen/ Queers? Bei vielen Kommentatoren_Innen . Wobei die Frage besteht wieso der Vorwurf der „männlichen Dominanz“ solche Gefühle verursacht und wieso genau ein bestimmter Teil der Szene angegriffen wird. Wenn mir jemand etwas unterstellt, beziehungsweise an mir kritisiert, so kann ich selbst entscheiden wie ich mit dieser Kritik umgehe. Entweder ich nehme sie an oder ich erkenne sie als für mich nicht wichtig oder als falsch. Doch aus den Kommentaren ist nicht zu entnehmen, dass jene Wutautonomen sich selbst als falsch beschuldigt Ansehen, viel mehr nehmen sie jene Kritik nicht an und bauen eine aggressiven Selbstschutzreflex auf. Ich(Teilautor) persönlich Frage mich ob KP jeden wütenden Vergeltungsschlag als Kritik würdig ansieht oder ob sie ein Problem mit vermummten, entschlossenen, Spontandemos hat. Oder handelt es sich um Zuspitzungen bei jenen Aktionen? Der Verweis ist hier sehr karg. Ich würde gerne Wissen was genau Problematisch war, denn sonst kann -mensch sich sicher sein, dass alle welche ein sich selbst stark in die anti-sexistische Ebene einordnen hinter einem stehen und eher Aktionsorientierte (beide Sachen schließen sich nicht aus aber nur zur vereinfachten Darstellung) einem gegenüber, weil deren Aktionen ja „beschimpft“ wurden. Aber aus dem Schlagwort männlich Dominant ( auch ein mensch der weiblich sozialisiert wurde kann männlich Dominant handeln) sagt leider fast nichts aus. Interessant fanden wir die Kritik an der Parole: „ das Viertel ist sich einig“. Hier wollen wir uns einen Kommentatoren anschließen, welcher meint Parolen und Sprüche sind immer verkürzt. Trotzdem finden wir es gut,dass sich jemand den Kopf zermartert, um den negativen Subtext einer Parole herauszufiltern. KP sollte nicht erwarten,dass jetzt alle menschen über Slogans sich den Kopf zerbrechen, schließlich ist die wahre Funktion eines Slogans immer noch die Erhöhung der Attraktivität einer Sache. Eine veränderte Rolle dem zuzurechnen wird und muss scheitern.
    Uns ist weiterhin nicht verständlich warum KomFort den Vorstellungstext von KP nicht auf deren Seite gestellt hat aber Texte von der Occuby Bewegung. KP ist niemals so schlimm wie ein Haufen, welcher mit Zeitgeistlern, verkürzten Kapitalismuskritikern und offenen Antisemiten zeltet. Auf anfrage wieso Occupy sich äußern darf kam die Antwort KomFort sei kein ZK und das alle mehr oder weniger Linken sich äußern dürften. Wieso also nicht KP?Wir verstehe das nicht persönlich aussortiert werden sollte auf einer „offenen“ Plattform aber dann bitte ohne Ausnahme.
    Weiter zu KP wir würden uns freuen zu erfahren was bitte:
    (eu)erer Meinung nach schrecklich schief l(ä)uf(t), ohne dass es einen (szene-)öffentlichen Aufschrei von irgendwem gäbe.
    Nun bitte immer schön heraus, denn bis jetzt kamen nur Floskeln oder sind Parolen wie „das Viertel ist sich einig“ gemeint? Oder nicht klar bestimmtes Dominantes verhalten?

  8. 8 kritische_r Prof 16. Februar 2012 um 19:32 Uhr

    Doch aus den Kommentaren ist nicht zu entnehmen, dass jene Wutautonomen sich selbst als falsch beschuldigt Ansehen, viel mehr nehmen sie jene Kritik nicht an und bauen eine aggressiven Selbstschutzreflex auf.

    Ich würde nicht einmal sagen, dass die Kritik von diesen Leuten nicht angenommen wird. Es ist viel schlimmer. Sie empfinden das geäußerte zwar als Kritik an ihrer Person, sind jedoch unfähig den kritischen Gehalt, das Kritikwürdige kritisch auf sich selber zu beziehen. Im Gegenteil. Die als Kritik verstandene Äußerung der männlichen Dominanz wurde auch noch positiv aufgeladen und auf sich selbst bezogen. (jemand namens antifaobermacker: „ganz cool reflektiert und emanzipiert in lila nach anklam, die werden sich was ärgern die nazis“, eine andere Person schrieb: „ja die macker, da muss ich mich wohl angesprochen fühlen […] hört sich für mich nach einen angriff auf uns, irgendwie richtig an.“ Die Spitze des Eisbergs war jedoch ein Kommentar auf Indy: „immer schön martialisch bleiben! Antifa heisst eben auch, Eier zu haben und zu zeigen!“).

    Fast noch trauriger war allerdings, dass ein martialisches und mackerhaftes Verhalten dann auch noch als einzige erfolgversprechende Praxis gegen Neonazis propagiert wurde.

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    schließlich ist die wahre Funktion eines Slogans immer noch die Erhöhung der Attraktivität einer Sache.

    Das sehe ich absolut anders. Wenn es dir wirklich ernst ist mit den bestehenden Verhältnissen zu brechen und diese zu überwinden, kannst du nicht einfach eine attraktivere Werbung für dein Produkt machen, als andere, um zu überzeugen. Nur die radikale Kritik und eine sich daraus entwickelnde Theorie (daraus wiederum vielleicht eine Praxis) kann meiner Meinung nach einen möglichen Ausweg aufzeigen. Die Kritik des Bestehenden muss also am Anfang stehen. Nicht die bessere Werbung, beispielsweise „für den Kommunismus“. Eine mir sehr sympathische kommunistische Gruppe hat letzteres mal kritisch als „Antifa-Franchising“ bezeichnet.

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    Zu deiner letzten Frage, aber auch nur, weil es langsam nervt und dann hoffentlich niemand mehr darum bittet, dass da „noch mehr kommen soll“:
    Selbstverständlich werden wir nach und nach versuchen die Themen, die uns so im Kopf schwirren, anzusprechen. Dass aber nicht alle Kritik, die man an dieser Szene haben kann, in einem einzigen Artikel ausführlich und argumentativ fundiert abgewarbeitet werden kann, versteht sich wohl von selbst. Ja, vielleicht schreiben wir ja auch nochmal etwas längeres zum Antifa-Mackertum. Aber bitte alles zu seiner Zeit.

  9. 9 Inselblogger 16. Februar 2012 um 20:48 Uhr

    Es soll nicht noch mehr kommen (eigentlich schon) sondern genau was gemeint ist.

    Nur die radikale Kritik und eine sich daraus entwickelnde Theorie (daraus wiederum vielleicht eine Praxis) kann meiner Meinung nach einen möglichen Ausweg aufzeigen

    jo sehe ich auch so … aber eine Parole reicht da nicht aus. Kritik kann nur in einer Ausformulierung geäußert werden. Alles andere ist pöpeln …

  10. 10 kritische_r Prof 16. Februar 2012 um 23:12 Uhr

    Kritik kann nur in einer Ausformulierung geäußert werden.

    In diesem Fall kann ich mich nur selbst zitieren:

    Du schreibst es sei kaum möglich kritisch-differenzierte Parolen auf Demos zu rufen.
    1. sollte man dann versuchen es doch hinzubekommen und falls es wirklich gar nicht möglich ist 2. das Konzept einer Demo überdenken, es verändern oder aufgeben. Andernfalls wird einfach nur das Bestehende weiterhin reproduziert.

    Vgl. http://kritischeprovinz.blogsport.de/2012/01/26/kritische-anmerkungen-zu-einer-gelungenen-antifa-demo/#comment-26

  11. 11 Inselblogger 17. Februar 2012 um 14:41 Uhr

    Oder Demos machen Werbung für die Inhalte einer Bewegung. Dazu können Demos ja noch zu anderen Sachen dienen z.B. vernetzung, diskussionsanregung, aufmerksamkeit, bei nazis einschüchterung, bruch mit norminativen verhalten

    Demos auf Parolenrufen zu erniedrigen ist meines angesichts falsch, denn es werden ja auch Redebeiträge gehalten, Menschn können untereinander Diskutieren und es gibt ja auch sowas wie Mobiveranstaltungen + Aufrufe.

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